Viel zu westlich, sagen die einen; eine moderne Perle des Südens, sagen die anderen: Marokkos Südwesten spaltet die Meinungen der zahlreichen Touristen, Einigkeit herrscht nur unter den Sonnenanbetern.
Kurz vor Mitternacht am 29. Februar 1960 veränderte sich Agadirs Stadtbild für immer. Alles schlief, als ein Erdbeben 15.000 Menschen das Leben kostete, den orientalischen Flair der Stadt für immer vernichtete und nur noch Mauerreste von historischen Bauten übrig ließ. Europa half beim Wiederaufbau und verpasste Agadir einen modernen Anstrich: funktionale Straßen statt verschlungene Labyrinthe und Betonklötze aus den 1960er-Jahren statt weißgetünchten Steinhäuser. Selbst das Klima hat sich europäischen Verhältnissen angepasst: Während nur wenige Kilometer entfernt im Landesinneren mit 40° gerechnet werden darf, weht an der Küste Agadirs ein frischer Wind, der selten Temperaturen über 30° zulässt.
Wenn man jedoch ein wenig an der Fassade kratzt, schimmert Marokkos Gold immer noch durch: Der Geruch fremdartiger Gewürze auf dem Souk, der Gebäck-Verkäufer am Strand, der lauthals seine süßen Waren anpreist und der Friseur, der in einem wackligen Zelt dem Kunden den Bart stutzt - all das gehört ebenso zu Agadirs Vielfalt wie die Surfschulen und Liegestühle am kilometerlangen Sandstrand oder die Golfclubs der Luxustouristen.
