"Wächst, aber altert nicht", so lautet das Stadtmotto. Wer sich die Scheuklappen aufsetzt und nur die historischen Prachtbauten im Stil des Barock und der Sezession sieht, könnte diesem Satz fast zustimmen. Aber eben nur fast.
Man sagt, Sofioter bleiben nur ungern zu Hause – sie treffen sich lieber mit Freunden in den zahlreichen Cafés und Restaurants, anstatt sie zu sich einzuladen. Kein Wunder, denn die sozialistischen Plattenbauten außerhalb des Stadtkerns sind kein schöner Anblick. Hier bröckelt die Fassade einer ewig jungen Stadt – statt Fürstenpalais bestimmen Kriminalität und Korruption das Leben der kleinen Bürger; der Bürger, die sich wegen steter Verteuerung und fehlender Renten ihr Gehalt mit dem Verkauf von Billigfummeln aufbessern müssen. Während in der Stadt Mercedes der S-Klasse an Edelboutiquen vorbeifahren und reich gewordene Sofioter mit neuem Elan Wohnhäuser und Einkaufszentren bauen, hat sich für den Rest der Bevölkerung seit Eintritt in die EU am 1.1. 2007 nicht viel getan. Immer noch werden im harten Winter Parkbänke verheizt, immer noch halten korrupte Beamte die Hand auf, um die Mühlen der Bürokratie zu schmieren.
Sofia ist eine moderne Metropole für diejenigen, die es sich leisten können; westliche Ketten und breite Boulevards könnten sich zum Tourismusmagneten entwickeln. 5000 Jahre Geschichte hat die Stadt bereits hinter sich und sie wächst im Moment rasend schnell. Ob sie dabei wirklich nicht altert, ist jedoch fraglich.
