Die Wildnis liegt in Oslo quasi vor der Haustür: Im Sommer Segeln in den Fjorden und lange Wanderungen in den Bergen, im Winter Skilanglauf. Kaum irgendwo sind die Menschen so verrückt nach den "outdoors" wie hier.
Mit knapp 500.000 Einwohnern ist Oslo eine der kleinsten Hauptstädte Europas, und doch redet das ganze Land vom Problem der Landflucht: Nach wie vor strömen die jungen Norweger zu Tausenden aus ihren schlafenden Dörfern in die Hauptstadt. Das Land ist in der Luftlinie knapp 2000 km lang – gingen Sie die zerklüftete Küste entlang, wären es aber über 21.000 km. Vor allem weiter nördlich kann es sehr einsam werden, denn Norwegen hat nach Island die niedrigste Bevölkerungsdichte in Europa. Hoferben finden keine Ehefrauen mehr, obwohl die norwegische Regierung die Landwirtschaft und den Fischfang mit Einkünften aus der Erdölförderung hoch subventioniert. Die Gründe, in die Stadt zu ziehen, sind ähnlich wie anderswo.
Die Norweger sind ein Völkchen für sich und möchten es auch bleiben: 1972 und 1994 votierten sie gegen einen EU-Beitritt. Dennoch wirkt Oslo alles andere als provinziell oder isoliert: Es gibt eine lebhafte Kunstszene, und fast jeder fünfte Einwohner ist nicht in Norwegen geboren. An den lauen und bis zu 19 Stunden langen Sommersonnentagen kann man sich kaum ausgelassenere Menschen vorstellen.
