Skopje wirkt in weiten Teilen wie ein Museum der Architektur der 1960er- und 1970er-Jahre. Nach dem Erdbeben von 1963 wurde die Stadt mit internationaler Hilfe schnell wieder aufgebaut, einige der damaligen avantgardistischen Architekten wagten in Skopje abenteuerliche Experimente.
Da wäre zum Beispiel das Telekommunikationsgebäude von Naum Jovkovski: Ein Beton gewordener Golem, der mit seinen Bullaugen und Tentakeln so aussieht, als wolle er im nächsten Moment aufstehen und davonlaufen. Nur sein Alter scheint ihn davon abzuhalten, denn die Fassade ist von Rissen durchzogen, die einst leuchtenden Farben sind kaum noch zu erkennen. Beton tut das Alter nicht gut, vor allem wenn er nicht in Stand gehalten wird - dafür liefert die Stadt zahlreiche Beispiele.
Am anderen Ufer der Vardar ist das alte, orientalisch geprägte Skopje erhalten geblieben. Die Osmanen herrschten über 500 Jahre in der Stadt. Während der osmanischen Herrschaft entstanden Moscheen, Bäder und Basare. In dem kleinen muslimischen Viertel Skopjes leben heute hauptsächlich albanischstämmige Muslime, während die christlich-orthodoxen Mazedonier im modernen Teil der Stadt wohnen. Der Unterschied zwischen beiden Teilen könnte größer nicht sein. Skopje ist mit seinen Kontrasten und den verschiedenen kulturellen Einflüssen einzigartig. Die Stadt ist keine Schönheit, hat aber Charakter.
