Timişoara überflügelt die meisten anderen europäischen Städte mit einer Arbeitslosenquote, die gegen Null tendiert. Der Nachteil: Große Firmen beginnen abzuwandern – es gibt hier einfach zu wenig verfügbare Arbeitskräfte.
Timişoara als Rumäniens "Tor in den Westen" zu bezeichnen, wäre die Untertreibung des Jahrhunderts. Eine Steuerreform zog ausländische Firmen an wie die Motten ans Licht, heute logiert hier die amerikanische Mobilfunkfirma Solectron genauso wie Procter & Gamble, Nestlé oder Linde.
Die Stadt gefiel sich schon früh in der Vorreiterrolle: Die einstige Garnisonsstadt der österreichisch-ungarischen Monarchie hatte bereits 1884 elektrische Straßenbeleuchtung, außerdem waren die Einwohner der Stadt die ersten, die sich gegen die Diktatur von Nicolae Ceauşescu zur Wehr setzten. Die Blumen und Kerzen der Piata Victoriei erinnern bis heute an die Opfer des Regimes und des Aufstands.
Trotz des immensen Booms hat Timişoara den Charme des einstigen "Klein Wien" immer noch nicht verloren: Schönbrunnergelbe Häuser säumen pittoreske Plätze, Kopfsteinpflaster durchzieht die historische Altstadt, Straßencafés laden zum Faulenzen ein. Immer mehr Westeuropäer entdecken diese Stadt für sich – Ceauşescu hingegen mied sie. Wahrscheinlich ahnte er: Sein Personenkult verblasst neben Timişoaras Schönheit.
