Wenn ein Politiker Washington den Rücken kehrt, dann meist, weil er "mehr Zeit mit seiner Familie verbringen möchte". Ob man das glaubt oder nicht: Die Hauptstadt hat so viel zu bieten, dass ein braver Familienvater zeitweilig seine Familie in der Heimatprovinz vergessen könnte.
Die Stadt am Potomac ist ein Dorf: Jeder kennt jeden. Rund 27.000 hauptberufliche Lobbyisten laufen wie die Ameisen zwischen Kapitol, Weißem Haus und den Lobbyisten-Lokalen auf der K-Street hin und her. Fast alle Einwohner haben direkt oder indirekt mit dem Regieren zu tun: Die einen geben vor, zu entscheiden, die anderen beeinflussen die Entscheider, wieder andere protestieren gegen Entscheidungen. Und die überwiegend afro-amerikanische innerstädtische Bevölkerung übernimmt die Logistik und das Aufräumen. Regierung ist Big Business.
Vor allem im Sommer kommen Hospitanten, um im Kongress, bei der Weltbank oder einer von tausenden NGOs Erfahrungen zu sammeln. Am Wochenende hüpfen sie von einer Party zur nächsten. Oder sie halten Familienväter von ihrer Familie fern – schließlich ist Washington die Heimat der "I-didn't-do-its" and "I-promise-not-to-do-it-agains". Ein Besuch der Stadt lohnt sich schon allein, um der Weltmacht beim Regieren zuzusehen. Darüber hinaus gibt es eine unschlagbare Vielfalt an Museen (Washington Mall – Eintritt frei!), herrliche Parks und Restaurants aus aller Welt. Und wer möchte, kann all das auch noch zu Fuß bewältigen – denn am Ende ist Washington ja doch nur ein Dorf.
