In Berlin wird sie diskutiert und in Istanbul praktiziert: die Parallelgesellschaft. Die einzigartige Stadt am Bosporus spannt im wahrsten Sinne des Wortes eine Brücke zwischen zwei Welten, dem modernen Westen und dem traditionellen Osten.
Die Moderne neben der Antike, das Christentum neben dem Islam, zweckmäßige Hochhäuser neben uralten Moscheen: Zwei riesige Hängebrücken und ein dichter Fährverkehr verbinden die zwei Kontinente, auf denen die türkische Metropole errichtet wurde.
Um das Jahr 660 v. Chr. gründeten dorische Griechen einen ruhigen Hafen am Bosporus: "Byzantion". An gleicher Stelle entstand 324. n. Chr. unter dem römischen Kaiser Konstantin des Großen "Neu-Rom", das beide Teile des Römischen Reiches vereinte und später unter dem Namen Konstantinopel zur Hauptstadt des Byzantinischen Reichs wurde. Nach der Eroberung durch die Osmanen gegen Ende des 15. Jahrhunderts setzte sich nach und nach der Name "Istanbul" durch ("Ort, dessen Islam reichlich ist"). Verheerend für die Stadt wurden nicht nur plündernde Kreuzritter, die viele Kunstgegenstände von unschätzbarem historischen Wert zerstörten, sondern auch die Anatolische Platte, die an der Eurasischen entlangschabt: Istanbul ist weiterhin bedroht von schweren Erdbeben, die bereits 1509, 1766, 1894, 1999 und 2001 zahlreiche Menschenopfer forderten.
