Von traditioneller Samurai- und Geisha-Romantik hat sich Tokio längst verabschiedet. In der größten Metropolregion der Welt dominieren futuristische Wolkenkratzer, grelle Neonreklamen und der zügellose Konsumwahn.
Tokio ist ein dichtes Gewusel aus Bezirken und Stadtteilen, die voller Menschen sind. Wie die Stadt überhaupt funktionieren kann, ist nicht nur Besuchern ein Rätsel. In dem dichten Netz aus S- und U-Bahn-Linien pilgern unglaublich viele Angestellte und Studenten Tag für Tag aus den erschwinglichen Vororten zu den riesigen Bahnhöfen im Zentrum der Stadt - in Shinjuku quetschen sich etwa täglich vier Millionen Pendler durch die Gänge.
Die Japaner lieben ihre Hauptstadt, sie ist das Symbol der florierenden japanischen Wirtschaft, des Wegs in die Moderne. Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts war an dieser Stelle immerhin nichts als ein kleines, unbedeutendes Fischerdorf. Die Shogun machten das damalige Edo zu einer lebendigen Stadt. 1867 wurde wieder ein Tenno, der japanische Kaiser, eingesetzt - er benannte die Stadt in TÅ?kyÅ? („östliche Hauptstadt“) um und erklärte sie zu seinem Hauptsitz. Tokio wurde im 20. Jahrhundert zwei Mal stark beschädigt: Das Erdbeben von 1923 und der Zweite Weltkrieg hinterließen viele kaputte Gebäude und zerstörte Infrastruktur. Beide Male rappelte sich die Bevölkerung aber schnell wieder auf. Wenn man heute während der Kirschblüte durch die Stadt spaziert, wirkt es, als wäre immer schon alles so perfekt gewesen.
