In Sarajevo zerplatzte die Blase vom Traum eines Vielvölkerstaates in den 1990er-Jahren am lautesten. Nach den sehr schmerzhaften Jahren des Bürgerkrieges hat sich die Stadt aber wieder aufgerappelt und ist langsam aber sicher im 21. Jahrhundert angekommen.
Sarajevo lag schon immer an einer historisch wichtigen Stelle: Hier verlief in der Antike die Grenze zwischen Westrom und Ostrom, dem späteren Byzantinischen Reich. Letzteres eroberten die muslimischen Osmanen. 1492 flüchteten noch unzählige sephardische Juden vor der Verfolgung in Spanien nach Sarajevo. Die Stadt hatte den Ruf, das "Jerusalem des Balkans" zu sein, weil hier wie nirgendwo sonst Katholiken und Orthodoxe, Muslime und Juden nebeneinander lebten - und das friedlich, wohlgemerkt. Mit einem Bein im Okzident und mit dem anderen im Orient, sahen sich die Menschen Sarajevos als Brücke zwischen den Kulturen. Die meisten waren deshalb fassungslos, als ausgerechnet diese Stadt während des Bosnienkrieges zum Sinnbild des Hasses wurde. Die traurige Bilanz: 22 Monate Belagerung, 10.000 Todesopfer, Infrastruktur und Wirtschaft völlig zerstört.
Sarejevo ist mittlerweile wieder aufgebaut. Seine Einwohner begegnen Besuchern mit der altgewohnten Offenheit und grenzenlosen Freundlichkeit. Die Stadt ist kaum überlaufen, hat ein einzigartiges Nachtleben und ist in jeder Hinsicht einen Besuch wert. Doch der alte Traum - darin sind sich die meisten einig - ist endgültig ausgeträumt.
