Tirana ist die Hauptstadt eines seltsamen Landes: Albanien und seine Bevölkerung waren von 1945 bis 1991 nahezu vollständig von der Welt abgeschnitten. Einige kulturellen Überbleibsel dieser Isolation sind noch immer zu bestaunen.
Da wäre zum Beispiel die eigentümliche Verwendung fremder Sprachen: "Suffled how it gush" wirbt eine Firma für ihr Mineralwasser, und jeder Albaner behauptet mit einem Ausdruck echten Erstaunens, das bedeute, nun ja, "suffled how it gush". Oder die vielen Bunker auf den Feldern und in den Vorgärten, die zur Verteidigung des albanischen Arbeiter- und Bauernstaates dienen sollten. Die meisten der kurvigen Straßen - der kommunistische Diktator Enver Hoxha ließ sie absichtlich so bauen, damit kein feindliches Flugzeug darauf landen konnte - sind mittlerweile begradigt. Und auch Tirana hat sich seit dem Fall des Kommunismus verändert wie kaum eine andere Stadt in Ost- und Südosteuropa. Überall schossen neue, oft illegal erbaute Häuser in die Höhe. Die Einwohnerzahl hat sich auf 600.000 verdoppelt, Schätzungen gehen sogar von einer Million aus. In einigen neuen Vororten sind noch nicht einmal die Straßen benannt. Und im Viertel "Blloku" feiern junge Albaner ausgelassen in schicken Villen, die bis 1991 nur Parteimitglieder und ausländische Diplomaten gesehen hatten. Damals durften sich Ausländer nicht frei bewegen und in Tirana kursierten nur Gerüchte darüber, was in der "verbotenen Stadt" vor sich ging.
