Einst war Amman ein verschlafenes Nest irgendwo in Jordanien. Der Aufschwung zur Hauptstadt begann am Bahnhof der Stadt – genauer gesagt in einem ausrangierten Waggon.
Mangels einer Alternative musste Abdullah I. anfangs vom Bahnhof aus regieren. Heute hat Amman zwar einen Palast, von dem aus regiert wird, dafür aber keine U-Bahn. Kein Wunder: Aus 20.000 Einwohnern am Anfang des vorigen Jahrhunderts sind heute über 2 Millionen geworden – die Stadtplaner kommen da schon längst nicht mehr nach.
Auch sonst ist Amman eine Stadt der Kontraste: im Osten das alte Amman mit seinen Souqus, seinem Forum, seiner Zitadelle. Im Westen dann das neue Reich, ein Amman, das erst nach den Flüchtlingsströmen des Sechstagekriegs und des Golfkriegs so groß geworden ist: Hier entsteht die neue Skyline aus Hochhäusern, Einkauszentren und teuren Appartements.
Amman wächst rasant: Einst eingebettet zwischen sieben Hügeln, erstreckt sich die Stadt heute über 19 Hügeln – ein Ende ist nicht in Sicht. Solange Jordanien kosmopolitischer Ruhepol zwischen Westjordanland und Irak ist, solange Amman als Mekka politischer Flüchtlinge gilt, solange wird die Stadt weiter expandieren. Gäste sind jedoch immer überrascht, dass gerade diese Stadt nicht der Hexenkessel ist, den alle vermuten. Ganz im Gegenteil: Hier existieren Moscheen und Kirchen friedlich nebeneinander, hier tobt in Bars und Clubs ein wildes Nachtleben, bis am Morgen der Muezzin schreit.
