St. Petersburg hat ebenso viele Gesichter wie Namen - mal zaristisch, mal revolutionär, mal kommunistisch und in letzter Zeit mondän. Das mystisch verdunkelte, eingefallene und immer hungrige legt die Stadt aber anscheinend nie ab.
Im Sumpf errichtet, mit zwangsrekrutierten Arbeitern erbaut, von Revolution und Hochwasser überschwemmt und von Bomben attackiert – die Wahlhauptstadt von Peter dem Großen hat auf den ersten Blick nur wenig mit dem Walt-Disney-Film "Anastasia" gemein, dem sie als Kulisse dient. St. Petersburg ist, ganz im Gegensatz zu dem opulenten Glanz des Zeichentrickfilms, in eine greifbar düstere Atmosphäre gehüllt. Sogar die großen Literaten attestierten der Stadt eine traumähnliche Unwirklichkeit, die viele Dichter zu ihren berühmtesten Werken inspiriert hat. Dostojewski schrieb zum Beispiel: "Es wehte ihn daraus immer eine rätselhafte Kälte an, dieses prächtige Panorama war für ihn mit einem stummen, dumpfen Geist erfüllt."
Das ehemalige St. Pieterburch wurde umbenannt in Petrograd und umbenannt in Leningrad, von den Einwohnern jedoch wurde es immer schon "Pieter" genannt. Natürlich ist St. Petersburg auch als nördlichste Metropole weltweit bekannt, als "Venedig des Nordens", als "Fenster nach Europa" und als "Stadt der weißen Nächte". St. Petersburg ist faszinierend vielseitig – in Granit gebettet, von Prachtbauten gesäumt und von einem einzigartigen Flair durchflutet – und wirklich sehenswert.
