Man stelle sich vor, ein junges, hippes, ständig vor sich hersingendes Mädchen voller verrückter Ideen wäre eine Stadt: Es könnte Barcelona heißen.
Das Viertel Las Ramblas ist wieder einmal gesteckt voll. Der sanft ansteigende Hügel platzt schier vor schrillen Straßenkünstlern und bunten Blumenmärkten, Vögelverkaufer preisen lautstark ihre zwitschernde Ware an. Den Touristenstrom zieht es jedoch weiter hinauf, zum anderen Ende der breiten Allee: Alle möchten aus dem "Font de Canaletes" trinken, um endgültig ihr Herz an Barcelona zu verlieren und immer wieder herzukommen. So zumindest verspricht es die Legende.
Nach Francos Tod 1975 hätte niemand gedacht, dass Barcelona die Fesseln einer Knechtschaft abstreift und zu einer lebendigen Metropole wird. Heute, nur 32 Jahre später, pulsiert hier der Zeitgeist, feiern offenherzige Katalanen in den Straßen, als gäbe es kein Morgen, und begeben sich Austauschstudenten auf die Spuren Gaudis. Barcelona ist Kunst, ist Kultur; Barcelona ist eine liebenswerte Revolutionärin, die zum Aufbruch drängt und trotzdem nie ihre Traditionen vergisst.
